Die Trump-Regierung ist die erste US-Administration, die ein privatwirtschaftliches Projekt in der besetzten Westsahara finanziert. Sie hat dem umstrittenen ORNX-Projekt zur Herstellung von grünem Ammoniak Unterstützung zugesagt.
Laut Reuters hat die US-Handels- und Entwicklungsagentur (USTDA) eine Fördervereinbarung mit dem Projektentwicklungsunternehmen ORNX unterzeichnet, um eine Vorstudie (Front-End Engineering and Design, FEED) im Wert von 5,7 Millionen US-Dollar für die geplante Anlage zur Herstellung von „grünem“ Ammoniak in der besetzten Westsahara zu finanzieren.
Die Vereinbarung wurde am 28. Juli 2026 in El Aaiún, der Hauptstadt des von Marokko besetzten Gebiets, unterzeichnet.
ORNX ist ein Konsortium, das sich aus Ortus Power Resources (USA), Acciona (Spanien) und Nordex (Deutschland) zusammensetzt. Das Konsortium wurde im März 2025 von der marokkanischen Regierung als einer der Vorzeigeinvestoren im Rahmen ihres sogenannten „Morocco Offer“-Programms für grünen Wasserstoff ausgewählt. Keines der Konsortium beteiligten Unternehmen hat auf die Schreiben von Western Sahara Resource Watch bezüglich des Projekts geantwortet.
Wie WSRW bereits Anfang dieses Jahres berichtete, hat Marokko ORNX Land in der besetzten Westsahara zugewiesen, obwohl es keine international anerkannte Souveränität über das Gebiet besitzt. Die am 5. Februar 2026 unterzeichnete Landreservierungsvereinbarung ermöglicht es dem Konsortium, Machbarkeitsstudien, Genehmigungsverfahren und Umweltverträglichkeitsprüfungen voranzutreiben. Das zugehörige Projekt für grünen Ammoniak in El Aaiún wurde mit einem Umfang von 4,5 Milliarden US-Dollar präsentiert.
Es wird zudem erwartet, dass das Projekt in hohem Maße auf US-amerikanische Technologie zurückgreifen wird. Die Fachzeitschrift Gasworld berichtete, dass das Entwicklungsteam mit mehreren US-Unternehmen, darunter GE Vernova, KBR, Electric Hydrogen und Terabase, sowie weiteren internationalen Technologiepartnern zusammenarbeitet, was die zunehmende Beteiligung der US-Industrie an Marokkos Plänen für die besetzte Westsahara unterstreicht.
Der Zuschuss der USTDA stellt daher mehr dar als nur die Unterstützung einer Machbarkeitsstudie. Zwar haben die Vereinigten Staaten im Jahr 2020 Marokkos Anspruch auf die Westsahara anerkannt, doch hatten frühere US-Regierungen zuvor keine direkte staatliche Unterstützung für private Investitionsprojekte in dem besetzten Gebiet geleistet. Reuters merkte an, dass der neue Zuschuss die erste derartige Finanzierung durch die US-Regierung darstellt.
WSRW verurteilt die US-Regierung dafür, dass sie Marokkos illegale Ausbeutung der Ressourcen aus dem Gebiet unterstützt.
„WSRW verurteilt die Trump-Regierung dafür, dass sie als erste US-Regierung öffentliche Mittel einsetzt, um eine Investition des Privatsektors in dem besetzten Gebiet zu ermöglichen. Anstatt die Einhaltung des Völkerrechts zu fördern, tragen die Vereinigten Staaten dazu bei, Marokkos rechtswidrige Ausbeutung eines Gebiets zu normalisieren, über das es keine anerkannte Souveränität besitzt. Sie missachten dabei die dauerhafte Souveränität des sahrauischen Volkes über seine natürlichen Ressourcen sowie dessen Recht, über die Zukunft seines Landes zu entscheiden. Staaten sind nach dem Völkerrecht eindeutig verpflichtet, eine rechtswidrige Gebietsaneignung oder die Aufrechterhaltung einer rechtswidrigen Situation nicht als rechtmäßig anzuerkennen, zu unterstützen oder zu fördern. Durch die Finanzierung dieses Projekts handeln die Vereinigten Staaten entgegen diesen Grundprinzipien und senden ein gefährliches Signal aus, dass kommerzielle Investitionen in der besetzten Westsahara akzeptabel sind“, erklärte Erik Hagen von WSRW.
Die Ankündigung der Finanzierung erfolgt zudem nur wenige Tage, nachdem Präsident Trump erklärt hatte, Marokko werde die 1.055 Kilometer lange Autobahn Tiznit-Dakhla in der besetzten Westsahara „President Donald J. Trump Highway“ nennen – mit Referenz zu seiner Entscheidung aus dem Jahr 2020, Marokkos Anspruch auf das Gebiet anzuerkennen. Während Trump König Mohammed VI. öffentlich für dies „große Ehre“ dankte, wurde die gemeldete Benennung von den marokkanischen Behörden noch nicht offiziell bestätigt.
Die Westsahara wird von den Vereinten Nationen weiterhin als Hoheitsgebiet ohne Selbstregierung geführt, dessen Volk sein Recht auf Selbstbestimmung noch nicht ausgeübt hat. Marokko hat keine anerkannte Souveränität über das Gebiet, und völkerrechtliche Grundsätze verlangen, dass wirtschaftliche Aktivitäten in der Westsahara mit Zustimmung des sahrauischen Volkes stattfinden.
Das ORNX-Projekt ist Teil einer umfassenderen Strategie Marokkos, in der besetzten Westsahara eine groß angelegte Produktion von grünem Wasserstoff und Ammoniak für den Export aufzubauen. WSRW hat bereits zuvor dokumentiert, dass ein erheblicher Teil der im Rahmen der marokkanischen Wasserstoffstrategie vorgesehenen Flächen nicht innerhalb der international anerkannten Grenzen Marokkos liegt, sondern im besetzten Gebiet. Weitere ORNX-Projekte sind Berichten zufolge in Boujdour und Dakhla geplant – beide liegen in der besetzten Westsahara.
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